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Rallyetagebuch - Tag 8: Ruhetag Marrakesch

Statt Geschichten aus 1000 und einer Nacht reichen bei uns schon ein paar Tage, um dicke Bücher mit Geschichten füllen. Wo fangen wir an, um Euch umfassend auf den neuesten Stand zu bringen? Das Mainhattan Racing Team ist wieder aus eigener Kraft unterwegs. Und auch der Arrakis-Golf ist ebenso gegen Mittag auf den Camping-Platz in Marrakesch eingebogen. Das vorweg zur Beruhigung. Unklar bleibt, wie lange es dauert, bis wir die ganze Wahrheit an einem Wüstenlagerfeuer hören. Wir können das auch alles locker nehmen, denn die Teams sind wieder bei uns, können selbst drüber lachen und wie schon berichtet, geht es Ihnen gut. Das ist hier sowieso der wichtigste Aspekt. Neben allen Gründen, die uns hier nach Afrika geführt haben, neben Spaß und Charity, wollen wir, dass Eure Lieben, Eure Nachbarn, Familien, Freunde und Kollegen gesund und munter bleiben und die Zeit genießen.


Klar, auch wir waren daher erst einmal aufgeschreckt, als es mitten in der Nacht hieß, die Mainhattan-Racing-Explorer haben Getriebeprobleme, einer würde gar in Flammen stehen. Suspekte Funksprüche hallten durch die Nacht. "Wir brauchen Hilfe." Zurück: "Wer ist da? Welches Team?" "Hilfe, unser Auto brennt." Zeit für Fotos blieb da nicht. Wir schauen mal, was wir von den Ereignissen rekonstruieren können. Es sollte in die Ausläufer des Atlas' gehen; über schön geschwungene Passstraßen kletterten die Bolliden in die Höhe - bis an ihre Grenzen. Dann ging im schwarzen Explorer plötzlich nix mehr. Ein Weiterfahren war nicht mehr möglich. Ein riesiger Ölfleck und jede Menge Rauch waren das Resultat des überkochenden Getriebeöls. Aber Teamkollegen helfen sich natürlich. Also wurde der grüne Explorer vor den schwarzen gespannt und die Reise sollte so zumindest bis auf die Passhöhe fortgesetzt werden. Doch was passiert, wenn ein vollbesetzter 2,5 Tonner einen anderen vollbesetzten 2,5 Tonner eine Steigung hochziehen will? Plötzlich wurde es sehr hektisch, denn Flammen schlugen aus dem Motorraum des Zugfahrzeuges. Panisch wurden die Feuerlöscher, Wasserflaschen und sonstige Getränkereserven gesucht und das Feuer nach drei Versuchen gelöscht. Beim Schleppversuch ist scheinbar auch Öl übergelaufen und hat sich auf dem heißen Krümmer entzündet. Nachdem der erste Schreck verflogen war, fiel die Bilanz ernüchternd aus: 2 lahmgelegte Explorer, fünf gestrandete Abenteurer und die einsetzende Nacht. Die herbeigeeilten Helfer - wie Blaubär-Trio, Dune Turtles und weitere Teams - halfen, die Autos für die Nacht sicher am Straßenrand abzustellen. So ergaben sich die Explorerpiloten ihrem Schicksal und richteten sich für die Nacht am Straßenrand ein. Ein Lagerfeuer und ein gigantischer Sternenhimmel erzeugten sogar Abenteuerromantik. An Schlaf war aber kaum zu denken, das Lagerfeuer musste am Leben gehalten werden. Nach einigen kalten Stunden war die Nacht im Gebirge überstanden. Da der am Abend informierte ADAC auch am Morgen keine hilfreichen Neuigkeiten hatte, schritten die Rallyefahrer selbst zur Tat. Die mitgebrachten 7l Getriebeöl wurden auf die Fahrzeuge verteilt. Zur großen Erleichterung ließen sich beide Autos wieder schalten und man setzte die Reise sehr vorsichtig fort. So konnten auch noch die Wasserfälle von Ouzoud besucht werden und ein Blick in eine tiefe Schlucht wurde gewagt. Allerdings hat sich das Kühlerproblem des schwarzen Explorer noch nicht ganz erledigt. Wieder lief er auf bergiger Strecke recht warm. Provisorisch wurde die Motorhaube mit zwei Steinen leicht offen gehalten und mit Spanngurten, Kabelbindern und Panzertape gesichert. So verlief die Weiterfahrt nach Marrakesch problemlos - vom chaotischen Straßenverkehr in mancher Kleinstadt mal abgesehen. Auf dem Zeltplatz in Marrakesch wurde der Kühler des Problem-Explorers erst einmal mit reichlich Wasser gespült, um alte Ablagerungen loszuwerden. Vielleicht finden wir so die Wurzel des Übels. Nach erledigter Arbeit konnten auch die Mainhattan Racer in die Innenstadt von Marrakesch. Dabei wurde längst beschlossen, nicht über höchste Atlashöhen zu kurven, sondern an der Küste entlangzucuisen. Die damit gewonnene Zeit soll genutzt werden, um Vorräte an Wasser, Öl und Feuerlöschern wieder aufzufüllen.  Ja und der Golf? Auch der bog wie gesagt auf den Campingplatz ein. Dick verpackt mit Pappe statt Scheiben und einigen Beulen und Blessuren. Aber der Wagen rollt. Und der Lenker ist wohlauf!! 


Team "Ralphs Werkstatt" und "Team Scharf" düsten ebenso gemeinsam auf abgelegenen eigenen Routen nach Marrakesch. Das Herzklopfen war da jedoch anderer Natur. Nicht minder aufregend. Allerdings ohne Beulen im Blech. Da sollte unbedingt am Meer abgeparkt werden. Am besten für eine ganze Nacht. Irgendwo zwischen Rabat und Casablanca. Doch immer wieder kreuzten Wächter auf, die unsere Rallyefahrer weiterschickten. Fündig wurde man zwischen Hinterstraßen und Booten. Direkt am Wasser. Wie gewünscht. Beim Errichten des Nachtlagers war gerade Ebbe. Am frühen Morgen sorgten Fischer für Trubel. Irgendwann war von denen einer der Meinung, die Schlafenden zu wecken. Besser war es. Die Flut kam. Über schmale Gassen also wieder zurück. Doch halt. Nicht gar so schnell. Ralph steuerte erst einmal Richtung Wasser, um im großen Bogen zu wenden und ohne Rückwärtsfahrt vomS trand zu kommen. Für Betrachter sollte der Eindruck wohl ein wenig erschreckend gewirkt haben. Letzlich wurde aber doch Land angesteuert. Und wieder folgte die Suche nach einer ruhigen Stelle am Meer. Für ein Käffchen. Diesmal wurde man wieder vertrieben. Denn da wäre der königliche Palast. Wo käme man da hin, wenn da jeder parken würde. Es folgten Fahrten auf dem Dach, erfreuliche Begegnungen mit allerlei Polizisten, die jederzeit den rechten Weg wiesen. Und sich genau erklären ließen, was es den mit den vielen bunten Aufklebern auf dem Blech auf sich hätte. Und irgendwann die Ankunft in Marrakesch. Ach, immer noch zu schnell. Nein. Man wollte ja keine Autobahn nach Marrakesch. Also rauf auf die Landstraße. Auch noch zu gut ausgebaut. Also runter ins weite Land. Über schmale Feld- und Wiesenwege. Das endete in einer wahrlich prächtigen Oase. Mit Brunnen. MIt Kakteenlabyrinth. Und auch einmal kamen da Leute. Ein Hirte. MIt Schafen. Und Familie. Die, in deren Garten unsere Reisenden wandelten. Man ging zaghaft auf Tuchfühlung. Schokolade wechselte den Besitzer. Und es wurde immer freundlicher. Schließlich sollte sogar ein Hammel mit auf die Reise. Kleine Notration als Geschenk. Mit Winken und Küsschen wurde sich herzlich verabschiedet. Und ohne Hammel.


Eigentlich wollten wir Euch ganz entspannt ein paar Bilder von Wasserfällen zeigen. Oder aus den engen, geschäftigen Gassen Marrakeschs. Aber das am Ruhetag soviel Themen anliegen - ja, das hätten wir nicht gedacht. In der Stadt waren wir aber trotzdem. Entweder via Shuttle in großer Gruppe. Oder auf eigene Faust. Team Erfordia war zum Beispiel unterwegs. Auch das Königsteam war schon früh auf den Beinen. Da sollte ein Teammitglied für 2000 Kamele den Besitzer wechseln. Suspekte Formulierung. Aber ist so. Außerdem erzählen wir die Geschichte vielleicht an einem anderen Tag. Wir haben ja jetzt schon textliche Überlänge. Liegt auch an den langen Schlangen vorm Berichterstattungsbus. Jedenfalls hat das Königsteam heute nur einen Wunsch: Es wünscht dem lieben Kante zum 30. Geburtstag alles Gute aus Marrakesch!


Bessere Geschäfte als rund um Hammel und Kamele konnten in Marrakesch in den Souks gemacht werden. Da wurde ordentlich gehandelt. Nicht auf die Schnelle. Da wird ein Schemel zurechtgerückt. Dann wird beim Tee über das Leben, das Sein und die Rallye an sich geschwatzt. Bis nach einer Stunde auch Preis und damit Geschäft stehen. Handgemachte Schuhe oder Gürtel. Handwerkskunst, die direkt vor Ort bzw. auch in weiteren Gassen mit zahllosen Werkstätten angefertigt wird. Gewürze und Datteln. "200 Dirham, dafür zahl ich nichtmal 10!" Ähm - haben wir das gerad gesagt? Von der Feilscherei lassen wir uns gerne anstecken. Wenn hinter ein Handel perfekt ist, mit dem beide Seiten glücklich sind. Dann noch schnell ein Orangensaft. Frisch gepresst. Für wenige Dirham. Und ein leckeres Mahl auf dem Djemaa el Fna. Wenn die Dunkelheit emporsteigt, bekommt Marrakesch nochmal einen ganz anderen Zauber verpasst. Zu Gauklern und Trommlern gesellen sich dann nämlich zahllose Garküchen. Jede mit eigenem Personal. Flinken Köchen. Und Animateuren, die an die Tische lotsen. "Was 100 kommen. Geh weiter!" Das hätte der mal lieber nicht gesagt. Da ging es eine Küche weiter. Und dann kam die Horde. Und bei jemandem wurde das Gesicht immer länger. Das Geschäft des Tages war dahin. Blieb nur der Blick in die (Back-)Röhre und an vollbesetzte Tische gegenüber.

Für die meisten ging es mit dem Shuttlebus zurück auf den Campingplatz. Nur beim Team "Der Dicke und der Belgier" nicht. Da fuhr ein Taxi durchs Tor. Und am Steuer ein bekanntes Gesicht aus unseren Reihen. Man müsste ja mal Taxi fahren hier. Aha. Soso. Aber gleich selbst lenken? Die Mission lautet: Überall was einheimisches zu fahren. Ein Eselskarren kommt auch bald dran.


Steffen von den ehemaligen 426ern ist wieder bei uns. Frisch gelandet und sofort wieder aufgenommen. Ab morgen  geht es für ihn also weiter bei "Ralphs Werkstatt". Und wie geht es für uns alle weiter? Es wird fleißig  beraten. Soll es die Route für Fortgeschrittene sein? Über vielleicht verschneite Bergpässe. Über Asphalt, der so breit ist wie das Auto, umrahmt von Fels auf einer Seite und hunderten Meter leitplankenloser Abgründe auf der  anderen. So oder so ist der Blick in die Außenspiegel dann spannend, wenn ein Schneeflug überholt werden muss und viel Stein oder blankes Nichts vorüberzieht. Oder darf es die Autobahn Richtung Agadir sein, um noch einmal richtig Kilometer abzuspulen? Oder sogar die  Küstenstraße? Danach richtet sich auch die Zeit zum Aufbruch. Entscheidend ist auch noch einmal ein Halt in  Agadir. Da führen die meisten Wege ohnehin durch zum Etappenziel. Und in Agadir wartet viel Schönes. Ein großes Einkaufszentrum etwa. Danach werden die Shops kleiner. Und seltener. Wie auch die Tankstellen. Zudem  letzte Fastfood-Station. Und dann werden auch die Straßen schlechter. Bis wir dann irgendwann am Abend auf  Aglou Plage zurollen, um am Meer unser Lager aufzuschlagen. Wird sicher eine windige Angelegenheit. Die Autos werden am Abend fast platzen. Wie gesagt: Großes Shoppingcenter in Agadir. Wenn Sie einem Exemplar der Gattung Rallyefahrer begegnen, füttern Sie sie nicht. Deren Kofferräume sind gut gefüllt.
Und um mit den Worten zu sprechen, die uns im Gewusel von Marrakesch über die Lippen kamen, als schon die Sohlen glühten: Wir gehen jetzt nach Hause! Ja! Denn Zuhause: Das ist da, wo Dein Auto parkt. Und bald rollen wir weiter Richtung Süden.

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 8

Kommentar von Helga Lehnhardt // 16.02.2013

Hallo Falk, habe gerade Eure Seite aufgeschlagen, Text gelesen und Bilder durchsucht. Es ist für mich immer schön auf einen der vielen Bilder Dich zu entdecken; so weiß ich das es Dir gut geht. Im Team habt Ihr ja viel Spaß trotz endlichen technischen Mängeln laßt Ihr Euch diesen nicht nehmen. Das Essen hat auch geschmeckt und ein kleiner Hund hat Euch auf dem Campingplatz besucht. Eine gute Weiterfahrt, bleibt alle gesund und gut gelaunt- bis bald Deine Helschi (Mutti)

Kommentar von Monika Beierling // 16.02.2013

Hallo Ralph, gut, daß Du den Hammel nicht mitgenommen hast. Du hast ja jetzt einen menschlichen Beifahrer. Ich hoffe Dir hat das Essen in Marrakesch geschmeckt. Liebe Grüße Mam

Kommentar von elke frei // 16.02.2013

kommt gut über die berge und grüßt das meer
gruß von tobi, sylvi und elli

Kommentar von Jeremy Kurt // 16.02.2013

Grüße an das Team Erfordia
Und Opa Manfred " Was ist das für ein Baum neben dir auf dem Foto ?" fragt sich Jerry. Wünschen Euch und den Rest noch eine angenehme Weiterfahrt. Viele Grüße auch von den Erdmännern...

Kommentar von schmaden // 16.02.2013

Hallo Wüstenhunde!
Viele Grüße aus der Heimat.
Schön euch mal auf einem Bild zu sehen.Ich habe Polli gefragt was ich euch schreiben soll, sie sagte alles Gute zum Geburtstag.
Gute weiterfahrt und viele schöne Erlebnisse wünscht euch Schmaden.
Hallo Papi
Bayern München hat heute 2:0 gewonnen.
wir waren heute in Erfurt shoppen.
Ich vermisse dich und tausend Küsse
Deine Maja

Kommentar von schmaden // 16.02.2013

P.S: an schmale Kost ist ja bei euch nicht zu denken, da sind doch schon einige Lämmer oder vielleicht sogar ganze Herden drin.
besonders bei Hertie ist von Waschbrettbauch nicht meht zu reden

Kommentar von Diane Poehler // 16.02.2013

Hallo Tino, schön, etwas von euch beiden zu sehen, üb schon mal. Thomsen, Jana und Frank lassen Dich auch grüßen. Ab sofort bitte nur noch in Wüstenkluft. Zähl für uns die Sandkörner, in Gedanken sind wir schon bei euch in der Wüste. Gute Weiterreise, viele Grüße auch an die Orgs, kommt gut an, wünscht Team Touarist

Kommentar von Men-on-a-Mission // 16.02.2013

Hallo vom Team Men-on-a-Mission
Auch wir sind in Agadir angekommen. So nun kurz das Nachtlager bezogen und Morgen früh geht's frisch und munter weiter. Auch uner Kamel hatte heute nicht seinen besten Tag, aber nichts was uns Nachdenklich machen müsste.
Grüße von Uwe und Peter

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