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RALLYETAGEBUCH - TAG 17,18: ETAPPE 14 Strand - Nouakchott und Ruhetag




Versicherungen und neue Währung sind in der Tasche: Oguya heißt der Taler der Stunde. Bislang haben wir keine monetären Mittel benötigt. Aus Mangel an Supermarkt und Tankstelle auf den jüngst absolvierten Offroadkilometern. Statt Muscheln galt auch ein abendliches Kaltgetränk als Zahlungsmittel für unterwegs geleistete Hilfestellungen unter Rallyefahrern. Früher wurde dafür mal eine Dose in einer nassen Socke in den Fahrtwind unterm Außenspiegel gebaumelt. Heute dürfen es da Kühlschrank oder Kühlbox sein. Aber nicht bei allen. Warmes Wasser ist doch Hauptdurstlöscher. Das nur nebenbei. Wir waren bei den bunten Scheinen mit ungewohnten Namen und exorbitanten Tauschraten. Die brauchen wir nun. Denn jetzt sieht die Sache mit den Zahlungsmiteln auf dem Rückweg in die Zivilisation wieder anders aus. Und dieser Rückweg hatte es in sich. Mancher sträubte sich. Wollte lieber nochmal Dünenklettern üben. Aber da warteten ja schon ähnliche Herausforderungen. Und wer nicht wollte / oder konnte, der wurde halt geschoben. Denn nachdem aus der Pole Position heute quasi eine Pool Position an der Brandung wurde und wir ordentlich über den Strand gedriftet sind, wartete noch die Aufgabe, den richtigen Kurs einzuschlagen. Wenn dabei nicht alles exakt hingezirkelt wurde, blieb man eben stecken. Motorisch im Pudding verreckt. Die Räder am besten noch quer. Und tosende See vor der Frontscheibe. Schiebende und ziehende Helfer waren aber schnell zu Stelle. Auch einheimische aus dem nahen Dorf. Im Gegensatz zu anderen Staffeln, bei denen erst einmal sachte wieder Aufstellung an der Wasserlinie genommen wurde, um dann wie an einer Perlenschnur an den Wellen entlangzureiten, wurde diesmal direkt durchgestartet. Zu stark war das Meer, zu heftig die Wellen, als das wir uns da ein Päuschen einplanen durften. Trotz Ebbe, die das Befahren des Strandes überhaupt erst möglich macht. Da wir nun also auch einzeln durch gestartet sind, werden wir am Ruhetag auch erst einmal nach weiteren Bildern von der eigentlichen Strandfahrt forschen. Nach etwa 40 Kilometern wiesen unsere Wüstenguides den sandigen Pfad durch ein Fischerdorf. Vorbei an Hütten, Booten und Netzen. Mit Bedacht, aber ordentlich Speed, damit es auch wie gelernt durch den Sand vorangeht. 

 


Und dann wurde Luft geholt. Und Luft gepumpt. Der eine nahm einen Kompressor zu Hilfe. Der andere keuchte mit Muskelkraft. Und schon holte die Kolonne Schwung, um ca. 100 Kilometer auf Asphalt nach Nouakchott abzuspulen. Wem es in Nähe des Wassers noch gar nicht so sehr auffiel, der merkte es ohne heftige Brise spätestens jetzt: Die Sonne brannte noch unbarmherziger. Alles Vorbräunen täuschte nur vor, keine SOnnencreme mehr zu brauchen. Das Wetter ändert sich. Es wird noch heißer. Ist auch ein subjetiver Eindruck. Denn vor allem wird es drückender. In der Wüste ist die Hitze eher trocken und gefährlich unauffällig. Würde sich nicht eine salzige Kruste auf der Haut bilden, würde man den Wasserverlust gar nicht bemerken. Nun also alles anders. Die so nötige Sonnenmilch mag sich kaum auf der Haut festzuhalten. Dafür klebt der Staub umso besser. 

 


Ralphs Werkstatt verlor auf den Asphalt-Metern plötzlich an Tempo, reiste im Schlepp weiter. (Problem schnell behoben.) Ein Service-PKW reiste ohne Kupplung in Zufallsgängen, doch das eben  alles erfolgreich bis Etappenziel. Ein anderes Servicefahrzeug war dafür mit Wüstenführer und vielen Zetteln und Formularen weit vorausgeflitzt, um an den Polizeikontrollen den Weg für die Kolonne freizumachen und das Durchrauschen einer großen Horde Dieselfreaks anzukündigen. Sollte bei den Kontrollierenden Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Aussagen bestanden haben, dann kündete ein nahendes Motorengrollen und ein Zittern der Erde von der Zielstrebigkeit der nahenden 15ten Staffel, die sich schon so weit durchgebissen hat.

 


In Nouakchott trennten sich die Wege. Und zwar die von uns und unseren Wüstenguides. Prompt gab es auch die nächsten Einsandungen. Kein Wunder: Unser Camp liegt wieder direkt am Meer mit feinsandigem Strand. Und wo eine Tür sich schließt, geht eine andere auf und Yin und Yang und zappzarapp und überhaupt - also jedenfalls wo sich Wege trennen, da führen auch wieder welche zusammen. Auf dem sonnigen Plätzchen stießen wir auf unsere Abtrünnigen, unsere Wüstenverweigerer. Die, die statt Desert lieber Dessert wollten. Erfordia nahmen  wohlbehalten Haltung an fürs Begrüßungskomitee. Und um eben die Einsandungen der doch so tapferen Wüstenbezwinger zu bewundern. Apropos: Was ein Keks unterm Baum macht. Ist ein schattiges Plätzchen. Oder isst eins? Oder sucht eins. Gag versaut. Dabei wär es rund um Dessert und Plätzchen so schön gewesen. Irgendwas muss man sich ja erzählen und zufunken. Ohne TV. Ohne Zeitung. Richtiges Geschichtentauschen beginnt immer erst abends am LAgerfeuer, wenn die Anspannung des Tages nachlässt. Und alles noch einmal vorüberzieht, was wir wieder erlebt haben. Gelegenheiten, um die Gedanken zu sortieren, werden wir haben. Nicht nur heute abend am Lagerfeuer. Sondern sogar länger. Da wir so wunderbar durch die Dünen geschaukelt sind, dürfen wir die Optionskarte auf einen zusätzlichen freien Tag ziehen. Und so werden wir in Nouakchott verweilen. Mal wieder Vorrate auffüllen, die Gegend erkunden. Falls der Gasfuß ungeduldig zuckt, dann sogar im eigenen Rallyeboliden. Und der Besuch einer Tankstelle ist ratsam. Denn so lässig wir die nächsten Stunden angehen, so eilig werden wir schon bald die folgende Etappe starten. Dann bleibt keine Zeit für Zapfsäulenbelagerung. So mancher für den Wüstennotfall reservierte Kanister wird vorher aber auch noch den Weg zur Tankklappe getragen. Und auch die eigenen Akkus - die vom wüstengeschundenen Körper - werden dann wieder frisch und geladen sein.

 

* * *

 

Machen wir mal einen Doppeleintrag aus der Sache hier: Mittlerweile ist ja schon der Ruhetag angebrochen. Der Laptopkalender meint, heute wäre Montag, der 25ste. Wird wohl so sein. Uns ist das reichlich egal. Die Sonne knallt. Strand und Meer sind einladend. Wir waschen uns. Und Wäsche. Futtern am Strand, in Zelten oder sonstwo im Schatten. Auto-Checks stehen an. Und wie berichtet Stadterkundungen. Morgen wird weitergerollt. Da wird es auf dem Weg in den Senegal richtig anstrengend, heiß und staubig. Also wiederholen wir lieber noch einmal die Parole und laden unsere eigenen Akkus tüchtig auf. Bis dahin! Grüße aus der Sonne!!!

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Video-Tagebuch



Kommentare: 6

Kommentar von Heike+Lothar // 25.02.2013

gönnen wir Euch die Ruhe für einen Tag, wer weiß was noch alles kommen mag
erfolgreiche Weiterfahrt in den Süden und die Versteigerunsobjekte gut behüten
schützt Euch vor Sonne, Sand und Trockenheit in Banjul gibts auch wieder Gemütlichkeit
für's Geleistete schon mal vielen Dank - in der Heimat warten dann Speise und Drank

Kommentar von Bernd S. // 25.02.2013

Jetzt fängt bei Eurer "heißen" Berichterstattung tasächlich sogar der Schnee (1m Hoch!) schon an zu tauen:-))) Gruß an die "Kameltreiber", Linda 1 hat am 23.2. Ohne dem Thomas sogar beide Heimspiele gewinnen können! Kommt gesund ans Ziel und wieder heim.
Viele Grüße aus Linda Bernd www.sv-linda.de

Kommentar von Ritchie // 25.02.2013

Hallo Ölbrenner 457,
Endlich habe ioh deinen Ölbrenner mal wieder auf einem Foto gesehen, scheinbar lebt ihr noch, liebe Grüße aus Osnabrück, mach weiter so, ich freue mich aufs wiedersehen!
Rock ON Ritchie

Kommentar von MurmelTeam _ // 25.02.2013

Direkt von Zivilisation zu sprechen, wäre übertrieben. Aber wenigstens habt Ihr wieder festen (naja) Boden unter den Rädern. Schön, Eure Berichte lesen zu können. Riesenkompliment an den Schreibbär des Jahres! Und nun noch den letzten Rest auf einer A-Backe abgesessen. Oder abgeholpert. Ihr werdet schon sehen!
Liebe Grüße an alle vom Murmelteam.

Kommentar von schmaden // 25.02.2013

An die Wüstenhunde
Hallo Papi,ich vermisse dich so sehr.ich freue mich wenn du bald wieder kommst.schade das ich mich doch nicht im Kofferraum versteckt habe, die Bilder von euch sind toll.
Danke an Hertie fürs Geschenk.
Ach ja ich möchte auch so einen Turban!!!!
Liebe Grüße, Deine Maja und einen dicken Kuss von Mama und den Rest der Sippe.Wir wünschen allen Teams gute Fahrt und vielleicht ab und an ein "Kühles Blondes."

Kommentar von Team 400 Die hohnsteiner // 26.02.2013

Hallo, Euch alle grüßt 50% des Teams 400,
kich sitze im Blue Kitchen und alsse es mir gut gehen,batürlich beie Heinzens guten Bier,
an die Orgs, schöne Grüsse und kommt alle gut ,gesund und munter an

Ingo vom Team 400

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