// zurück zur Übersicht

Rallyetagebuch - Tag 9: Etappe 7 Marrakesch - Aglou Plage

Was für eine kurze Etappe, die da im Roadbook vermerkt war! Lächerliche 350 Kilometer. Also eigentlich Kurzstrecke. Doch das richtete sich nach der Route, die jeder für sich selbst wählte und bis zur letzten Sekunde in Marrakesch austüftelte. Team "Jetztodernie" schwärmte beispielsweise noch lange von Marrakesch. Wäre am liebsten noch in der Kozy-Bar geblieben. Oder würde  sicherlich auch eine ganze Woche im Riad Opal verweilen. Unscheinbare Anlagen. Aber nur von außen. Innen tun sich luftige, palmenumspielte Oasen auf. Höfe, die allen Trubel weit draußen lassen. Hektischer war da schon das Geschehen auf dem Campingplatz. Von 7 bis 10 rollten unentwegt Teams und ganze Rallye-Fahrgemeinschaften und Reisegruppen vom Platz. "Der Dicke und der Belgier" erschienen wie immer rauchend am Start. Hinter 457 - "Ölbrenner" riechts auch komisch. Vielleicht aber auch nicht aus dem Auspuff, sondern aus anderen Luken; da ist heute was in der Wohnmobilküche ausgelaufen. Angeblich nur Apfelsaft. In Fahrgemeinschaft mit "Bäcker Peter" ging es auf Achse. Und die mochten sich auch nich so ganz von Marrakesch trennen. Umkurvten und durchcruisten die Stadt - auf der Suche nach der richtigen Straße. Und da haben wir wieder die Routenthematik. Zu Autobahn oder Küste geht es nämlich nach rechts. Die ganz Wilden fuhren einfach gen Süden und hielten auf die dunstumhüllten Höhen des Atlas zu. So hatte sich beispielsweise der Polarexpress abgemeldet. Da will man schauen, wie weit man kommt. Das Nachtlager wird spontan errichtet. Und danach richtet sich auch, wann man wieder zur großen Gruppe stoßen will. Wobei: So groß ist die derzeit gar nicht: Knapp über 20 Teams sind in Aglou eingerollt, haben sich eingerichtet oder Zelte aufgebaut. "Erfordia" waren schon am Nachmittag am Ziel. Das "Franken"-Taxi ist zu sehen. Beim "Königsteam" brennt noch Licht. Und jetzt gegen Mitternacht wühlen sich Autos mit beklebten Dachgepäckträgern die Straße ans Meer hinab. Sieht ganz danach aus, dass noch wackere Rallyefahrer eintrudeln. 

Es führen also unglaublich viele Wege ans Ziel. Über die Berge, über die Autobahn, an der Küste entlang, sogar spontan nach Lust und Laune munter hin und her zwischen Autobahn und Landstraße gewechselt wie "Die Unausprechlichen", deren wichtigstes Shoppinganliegen Tabakkauf in Agadir war. Oder eben komplett anders entlang gleich auch noch mit durch den Antiatlas. Um erst in Laayoune oder gar am nächsten Pflichtreffpunkt - dem in Dakhla mit Ruhetag vor der Wüstenquerung - wieder zur Karawane zu stoßen. "Erfordia" als Rallye-Wiederholungstäter waren so früh da, weil sie sich Atlas und Anti-Atlas in unterschiedlichen Staffeln getrennt vorgenommen haben. Da der ganze Campinplatz vollgehymert ist mit Mobilen mit Zipp und Zapp, Sat-Schüsseln und Parzellenabgrenzung, für die insgesamt auch mehrere Lottogewinne nicht reichen, stehen wir etwas abseits. Muss der Spielplatz für die Wilden sein. Und als hätten die Luxuscamper nicht schon genug Platz, kamen die auch noch rüber auf den Spielplatz der Rallyehorde. Aber zu ganz komischen Spielen. "Erfordia" hatten das Vergnügen, Franzosen beim Spiel mit glänzenden Metallkugeln zu beobachten. Da wurde vor der Roll-Villa sicher gerade der Kunstrasen geklopft, so dass alle zum Schabernack rausmussten. Dass uns der Fachbegriff für dieses Spiel gerade nicht in den Sinn kommt, spricht ja eigentlich für uns. Wir stehen auf Spocht. Harten, wilden Motorsport. Und tauschen weiter unsere Geschichten des Tages aus. "Ölbrenner" und "Bäcker Peter" ließen auch im Verlauf der Strecke nichts anbrennen. Kleine Brötchen werden da nicht gebacken. Weder beim Fahren über höchste Pässe und sonstige Atlas-Höhen auf der Fortgeschrittenen-Route. Und danach wurde weiter richtig rangeklotzt, als es darum ging, die letzten Meter zum Etappenziel auch noch zu schaffen. Im Örtchen Tiznit, 20 Kilometer vor Aglou, wurde die falsche Ausfahrt im Kreisverkehr genommen. Das endete zwischenzeitlich in engen Gassen voller Markttreiben. Leute drängten sich am Rallyeboliden. So sehr auf Tuchfühlung, dass der Atlas-Staub gleich wieder runtergeschubbert wurde. Und weil ein Rallyeflitzer nicht sauber sein kann (jedenfalls nicht vor der Versteigerung), ging es über Stock und Stein weiter. 15 Kilometer schlug man sich durch. Das rüttelte die Inneneinrichtungen durcheinander. Campingstühle und Lattenroste wirbelten. (Okay, ein klein wenig Luxus haben wir auch dabei.) Möglicherweise ist da der Zusammenhang. Zwischen Fahrweise und Gepäckmischmaschine mit auslaufenden Proviant-Paketen. Sandro vom Mainhattan Racing Team war übrigens als Beifahrer dort mit an Bord. Königsteam und Rest der Mainhattan Racer entschieden sich nämlich für die Küstenstraße. Die Explorer rollen weiter. Mit Bedacht wurde auf steile Passfahrten verzichtet. Aber trotzdem wurde marrokanisch unter der Haube belüftet. Mit Steinen als Abstandshaltern. Zu den Einkäufen des Tages, die da registriert wurden, zählen wie geplant Feuerlöscher und Getriebeöl.

Großartig geflickt wurde beim Franken-Taxi. Eine Repratur, die wir uns vielleicht bei Tageslicht noch einmal anschauen sollten. An der Wischwasseranlage. Mit Sekundenkleber und einem 2 Cent-Stück. Der Kleber war also die teuere Seite der Reparatur. Was, wenn die drauf kommen, dass es mit einem geklebten 1-Cent-Stück noch mehr Sparpotential gehabt hätte? Beim Kreische-Golf 419 spinnt die Tankanzeige nach einem kleinen Aufsetzer. Das hielt aber nicht von eigenen Tagesabenteuern ab. Selbst eine Moschee wurde besichtigt. Glückauf und Taxi waren mit von der Partie. 


Ansonsten: Sonne brennt. Haar sitzt. Wetter gut. Essen schmeckt. Gasfuß kilometerhungrig. Plattes Land ist übrigens in den kommenden Tagen nicht zu erwarten. Zwar nicht mehr gar so tiefe Schluchten, doch einiges Auf und Ab ist da noch dabei. Dafür wird die Landschaft zunehmend karger. Und hoffentlich bald richtig schön sandig. Diverse Einsandungen an Stränden und auf Feldwegen soll es übrigens gegeben haben. Leider geheimgehalten. Wird Zeit für Recherche mit Nachdruck für die Einsandeliste oder Bestechungen mit Prepaid-Aussandeversprechen. Natürlich trotzdem mit Strich auf der noch zu erstellenden Liste. Sonst wird es ja ganz wirr.


Kleiner Hinweis zur folgenden Etappe nach Laayoune: Nicht beunruhigt sein, wenn der Bericht nicht wie gewohnt spätestens zum Frühstück online  ist. Wir campen draußen. Outdoor. So richtig. Abseits von Straßen und Dörfern. Da gibt es kein WLlan, kein Internet Cafe, nicht einmal Empfang für Surfsticks. Sollten die "fehlenden" Teams schon auf der Strecke zu uns stoßen, versuchen wir, schon von unterwegs ein Update zu liefern. Ansonsten erst einmal enspanntes Zusammenfinden in Laayoune. Dann alles Weitere. Mit unserer Bitte um Geduld! Die wir vielleicht gar wiederholen. Verzögerungen kann es ab sofort immer gaben: Ob mitten in der Wüste oder zur Spätankunft  in Nouakchott. Wir schauen, dass wir schnellstmöglich immer wieder neues Lesefutter bieten.





Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 3

Kommentar von MurmelTeam _ // 17.02.2013

Guten Morgen in den warmen Teil der Welt. Es ist soooo schön, Eure Berichte zu lesen. Gerade entdecke ich, dass Tino von den 2010er "Pittys" im Team Kreische inkognito unterwegs ist. Lieber Tino: Ich hoffe, Du hast den Anderen Deinen Trick mit dem Eingraben des Kochers schon eher verraten als mir. Ich bin erst in Mauretanien zu einem ordentlichen Kaffee gekommen. Und liebe Blaubärmama Ilona, gib Tino mal nen dicken Knutsch von mir. Kriegst ihn wieder ;-).
Euch noch viel Aufregung!!!!
Eure Murmel

Kommentar von Thomas Knappe // 17.02.2013

Hallo Team Wüstensterne! Schön das wir von euch so wenig sehen und hören,da wissen wir das der Reisewagen läuft und das ihr gut zurechtkommt.Das Atlasgebirge ist ja mächtig gewaltig,das wäre was für Vati und die GS.Wir hoffen das ihr mit eurem fahrbaren Zweitwohnsitz heile durch die Wüste kommt.
Ps:knipst mal meine Lieblingsblume > Kaktus
Liebe Grüße Sylvia u. Thomas

Kommentar von WÜSTENFLOH a.D.Peter S. // 17.02.2013

REINI DU ALTE SOCKE !!!!
ALLES GUTE !!!

Einen Kommentar schreiben
 
Bitte addieren Sie 9 und 9.