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Rallyetagebuch - Tag 6: Etappe 5 San Roque - Algeciras/Tanger-Med - Briech

 

 

 

 


Wir starten mit einer Geschichte, die wir so ganz sicher nicht erwartet hätten. Und dabei erwarten wir spätestens ab jetzt immer das Unerwartete, lassen uns auch gern mal ohne Hektik treiben. Aber das! .... Wollten wir beim Bericht von der Fähre auch nicht anreißen, denn aus einem Halbsatz, der mit letzten Mobilfunkzipfel verleicht noch durchkommt, hättet Ihr  Euch ansonsten noch Sorgen gemacht. Dazu gibt es - was uns betrifft - jedoch keinen Anlass. Trotzdem ist die Geschichte etwas, das man sich noch an Lagerfeuern kommender Staffeln erzählen kann.

 

 

 

Aber von Anfang an: Um 12 hatten wir uns im Fährhafen von  Algeciras eingefunden.

 

Hafen

 

Nach bibberkalter Nacht genossen wir die Sonnenstrahlen. Kofferräume mittlerweile prall gefüllt mit Wasser, Brot und Wurst und was man sonst noch so in der Wüste brauchen  könnte. Bei Blaubärs gab es etwa später am Feuerchen schön Marshmallows. Halb 2 war eigentlich angedacht für die  Fähre. Es dauerte und dauerte. Bis uns die Nachricht ereilte, dass unsere Fähre gekapert wurde. Von der  Mannschaft übernommen. Weil die von der Reederei seit Monaten auf ihr Geld warten würde. Für die Besatzung  logischerweise weniger lustig. Aber die Tatsache an sich ist schon eine außerordentliche Erwähnung im Tagebuch wert. Da kam der Kahn also nicht. Die Reederei schickte ein Ersatzschiff auf die Reise. Hieß es. Wir standen an der Kaimauer. Gespannt und voller Vorfreude. Wir richteten uns auf eine längere Wartezeit ein. Macht man sich ja keinen Plan davon, wie lange es dauern würde,  so ein Schiff aus der Garage zu holen, Leute an Bord zu stellen und uns zu holen. Sonnenbäder, Nickerchen auf Hauben und Dächern, Schraubereien, Fussball. Und Briefing. Wir hatten Zeitvertreib. Ging dann schneller als  gedacht. Noch schneller waren wir in Afrika. 

 

Afrika

 


Unterdessen waren übrigens die Dustfighter schon in Deutschland gelandet. Es wird bereits nach einem neuen Auto für eine der kommenden Rallye-Staffeln gesucht. Sollte auch eine starke Batterie haben. Während unsere Karawane rangierte und aus dem Fährenbauch quoll, blieben nämlich 2 Teams stehen. Wurden dann aber ganz schnell flott gemacht, um aus eigener Kraft auf marrokanischen Boden zu rollen. Bei der Startnummer 437 wurde dazu kurzerhand der Inhalt des Kofferraums auf den Blaubär-Golf gepackt, um der Batterie gut zureden zu können. Bei der Einreise war das afrikansiche Zeitgefühl schon vorherrschend. Wird sicherlich schon Staffeln gegeben  haben, die schneller auf den afrikanischen Kontinent losgelassen wurden. Gefühlt war es reichlich lange. Unterm  Strich aber wohl eher übliches Prozedere ohne weitere besondere Vorkommnisse. MIt den letzten Litern Diesel an die erste Tanke auf der Autobahn gerollt. Und mit frisch getauschten Dirham Futter für die Motoren nachgeschwappert. Wie gesagt: Noch vor der Überfahrt wurde gebrieft und vorbereitet. Auf das, was da auf uns zukommen würde. Aber mit den wirklichen Straßenverhältnissen hatte kaum einer gerechnet. (Außer den Wiederholungstätern unter den Rallyepiloten.) Lichtorgeln, Dauerlichthupe und  ähnliches ... und dabei ist das ja erst der Anfang. Rund um Tanger geht es noch gesittet zu. Die LKW sind noch nicht hochhaushoch beladen, der Asphalt recht ordentlich und mehrspurig. Unterstützt wurde der chaotische erste Eindruck von der einbrechenden Dämmerung. Dunkel war es, als sich die letzten vom Hafen auf den Weg zum Etappenziel machten - dem Campingplatz in Briech. Nach heißen und stressigen Stunden fielen die Temperaturen dann weiter als gedacht. Jacken wieder raus. Ist aber vielleicht auch nur der komplette Gegensatz von Sommertag und einbrechender Nacht. Sind wir ja gar nicht mehr gewohnt dieses Sommerfeeling. Aber wir denken, damit kommen wir ganz schnell klar. Mit Sonnencreme. Und Sonnenbrille. Dann wird die Pudelmütze eben noch nicht ganz so weit wegsortiert und bleibt griffbereit für die Nacht. Sitzt die Grubenlampe auch besser. Einer unserer Orgs überraschte mit einer Jacke, die schon bei ihrer Herstellung aus der Mode gewesen sein muss. In der wird jetzt nicht nur Afrika entdeckt. Nein! Die war damals gans sicher schon auf der Santa Maria dabei. Aber auch Kolumbus trug die nur nachts, wenn alle an Deck schon schliefen. Und mit sowas traute er sich also heute in die Lichtkegel der Grubenlampen. Der Org. Nicht Kolumbus. Das rief Bewunderung hervor. Das wattierte etwas, wohl aus Plaste und Elaste gewebt, war aber nicht das einzige modische Highlight. Ein echtes war eine schicke Hose, Spende eines ehemaligen Teams. Das ist auch was für den Übergang. Ist man immer schick angezogen. Vielleicht stammt die Temperaturverwirrung auch von einem kleinen Sonnenstich vom Freiluftbriefing und Spaziergängen auf dem Fährendeck. Gar so eisekalt wie in San Roque ist es eigentlich hier in Briech nicht. Und der nächste Rallyetag steht ja schon gleich wieder bevor. Mit der Etappe nach Marrakesch und wieder viel Sonne. Und dann erst in den kommenden Tagen! Da werden wir hinter dem Atlas doch nochmal ein paar Grad draufpacken können. Am Tag und in der Nacht. Vielleicht erreichen uns ja auch bald Wettermeldungen, so dass wir uns darauf einstellen können. Denn nach Pflicht-Treff zur Überfahrt besteht jetzt wieder die Möglichkeit, auf eigene Faust zu reisen. Und das wird auch genutzt. Vorausfahrer nach Marrakesch gibt es auf jeden Fall. Und durch den dort bevorstehenden Ruhetag laut Roadbook gibt es noch viel mehr Gelegenheiten für Abstecher, ohne den Anschluss zu verlieren. Auch für die Atlasüberquerung selbst werden schon Pläne gewälzt und geschmiedet. Da wird es wieder Erlebnisse geben von den blauen Steinen, von ausgiebigen Ruinenrundgängen in Lixus oder aus dem Paradise Vallye. Ganz zu schweigen von In-die-Augen-Schauern in Casablanca.

 

 

Das Team Panta Rhei hat noch ein Anliegen. Weil das nämlich auch solche Individualfahrer sind. Die Botschaft nach Hause lautet "Wir leben noch. Sind nur selten zu sehen, weil wir abseits der Roadbookstrecken fahren. Und der Bus läuft." Dabei reihen die sich ein in die Gruppe derer, die Scheibensorgen hatten. Die Fensterkurbel war gebrochen. Aber ein vorausahnender Kollege hatte vor Abfahrt noch eine eingepackt. "Werdet Ihr brauchen!" Und tatsächlich. Und schon alles wieder repariert. Wenn es um solche Kleinigkeiten geht, was Reparaturen unterwegs betrifft, dann wär das für die kommenden Etappen okay. Da wurde nicht einmal der Schraubär gebraucht. Aktuell rollen die Wagen. Das dürfen sie gerne weiterhin tun. Denn wir haben noch viel vor.  

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 5

Kommentar von Heike+Lothar // 14.02.2013

ei,ei.ei wenn euch der erste größere Schreck aus den Gliedern gewischen ist, einen schönen, abenteuerlichen Afrikaaufenthalt ohne Hiobsbotschaften und große Schraubärein

Kommentar von Janin // 14.02.2013

Juhhuuuuu ich sehe den Polarexpress! Endlich ein Lebenszeichen, zumindest einen fotografischer Beleg!
Janin ;-)

Kommentar von Bernd Schmalacker // 14.02.2013

Endlich ein paar Fotos vom Team ThoThoMi konnte es gar nicht mehr glauben euch zu sehen.

Kommentar von Ingrid Bückle // 14.02.2013

Hallo lieber Frieder! Ganz herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Meisterprüfung!!! Gerade ist das Dokument ins Haus geflattert - wir freuen uns alle mit dir und sind froh, dass der Stress ein Ende hat. Vergiß den Hut und die Sonnencreme nicht vor lauter Übermut! Ingrid und Walter

Kommentar von Jeremy Kurt // 14.02.2013

Ganz liebe Geburtstagsgrüße an Manfred vom Team Erfordia. Weider so....

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