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Rallyetagebuch - Tag 12: Ruhetag Dakhla

Es sieht nach Neuschnee aus. Haben wir gehört. Aber dann leichte Plusgrade. Die haben wir auch. Etwa 40 Grad  mehr oder so als ihr. Da wir eigentlich versammelt sind, im Moment aber doch wieder mancher eigene Wege geht - hier ein  bescheidenes Zimmerchen, da Sahara Regency Hotel mit Dachpool - könnten wir uns jetzt eigentlich Gedanken über  unsere Outdoortauglichkeit machen. Stattdessen stellen wir dank Hotel-TV erst einmal fest, dass es ganz schön  verrückt ist, welch unterschiedliche Sorgen uns plagen. Wenn wir driften, dann aus Heiterkeit im Sand. Und  weniger wegen Glätte.  Einsandeliste gibt es immer noch nicht. Kurz zur Erklärung. Hängt immer an einem Org-Bus. Und für jedes Feststecken, aus dem man sich nicht selbst befreit, gibt es einen Strich hinter den Teamnamen.  

 


Heute warteten aber auch erst einmal wichtigere Aufgaben. Es rollten immer mehr Fahrzeuge auf den Platz. Auch die Dune Turtles. Nach Briefing um 10, mit Infos von Malariaprophylaxe bis Trinkempfehlung unter der Wüstensonne, machten wir uns am Vormittag auf ins Getümmel von Dakhla. Noch tümmeliger als ohnehin schon eröffnete sich dann der beeindruckende Blick auf die Werkstattstraße. Tor an Tor. Garage an Garage. Viel mehr ist es ja eigentlich nicht. Ein Zimmerchen. Und alle schloßen ihre Buden für uns auf. Viel zu tun. Tuning der besonderen Art, im Schatten einer Moschee.  Ölgetränkte Böden vor besagten Toren bildeten die Orte, where the magic happens. Da wurden aus Alltagskarren, Golfs und Volvos wüstentaugliche Mobile. Pardon. Natürlich sind unsere geliebten Wägelchen keine schnöden Karren. Die sind ja schon geadelt beim Blick auf die bislang tapfer absolvierten Kilometer.  Da wurde nun geschraubt und geschweißt. Und im besten Falle vorher verhandelt. Team "Ralphs Werkstatt" fühlte sich pudelwohl. Schraubte gleich mit. Etwa bei Arrakis. Da wurde zudem am Kühler geklebt.  Auch der Doktor von den African Firends operierte selbst und lag neben dem Meister des Vertrauens gleich mit unter dem gelben Flitzer. Und wer nicht vorher verhandelt hat oder durch Eigenleistung brillierte, der konnte den Endpreis durch diverse Gaben noch abmildern. So wechselten Werkstattoveralls vom Blaubärtrio den Besitzer, wurden Kuscheltiere aus Kofferräumen gezerrt oder überzählige Reifen versetzt. Klingt komisch. Schließlich ist alles, was unterwegs noch gebraucht werden könnte, wichtig. Andererseits gilt es abzuwägen, was entbehrt werden kann, wenn uns um das Gewicht der Renner geht. Wir wollen durch den Sand. Und das Auto an sich muss ankommen. Zuviel Balast ist da buchstäblich fehl am Platzu. Kippelige Dachlasten gehören weggepackt oder zumindest ordentlich ans Blech getüdert. Das wird bei der Dünenflitzerei ja ordentlich holpern, krachen und rumsen im Gebälk. Und zum Thema Balast: Da kam ja heute noch einiges dazu. Wer nicht mit wachsamen Auge die Arbeiten und Reparaturen verfolgte, der machte sich auf den Weg zum Einkaufen.  Neben Tüchern und Gewürzen wurde dabei Wasser in rauhen Mengen angeschnappt. Der Dicke und der Belgier bunkerten natürlich noch Öl. Und wenn man berücksichtigt, dass auch allerhand Spenden in den Kofferräumen schlummern, dann kommt da einiges zusammen, was wir transportieren wollen. Ordnung ins Ganze wurde auf dem Campingplatz gebracht. Reservekaniser und Wasservorräte ausbalanciert. Das Mainhattan Racing Team rühmte sich mit Handel und Erfolgen. Obwohl sie das gar nicht vorhatten. Die wollten eigentlich nur diese wunderbaren blauen Tücher zum Umdiebirnewickeln, fragten, ob denn noch mehr im Laden wären. Aber das wurde nicht verstanden. Stattdessen sank erst einmal der Preis. Wir lauschen weiteren Geschichten, Gitarrenklängen und dem Knistern des Lagerfeuers.
Im Schein einer Kopflampge schraubt vielleicht auch noch jemand am Auto. Montieren wüstentaugliche Bekleidung auf Köpfen und an Körpern. Ach und den Pantas wollen wir doch das H noch an die richtige Stelle montieren, nämlich an die zweite Hälfte  des Teamnamens. Bräuchten wir eigentlich nicht einmal die Onlineteamvorstellungen dazu. Denn wir haben  natürlich Listen mit den Telefonnummern von allen Rallyefahrern im Handschuhfach. Im Fall eines Malheurs kann  ein vorbeifahrendes Team dann gleich kontaktiert werden, anstatt dort mit Winken nur Gegenwinken auszulösen.  Und das führt uns nun aber dazu, dass wir diese Listen nun eigentlich weniger brauchen werden und die beim Packen eher irgendwo verloren gehen und eines Tages beim Thema Fototausch erst wieder in Erinnerung kommen werden. Morgen würden sie vielleicht noch ein vorerst letztes Mal gebraucht. Da werden  wir nänlich noch einmal individuell starten, bevor dann in Kolonne oder Gruppengewusel weitergerollt wird. Je nachdem, wie schnell ein jeder ist oder wieviele Fotostopps  eingelegt werden (an Dünen, letzten kleinen Shops oder Kamelen) werden wir uns dann gegen Mittag an einer Raststätte vor der Grenze einfinden.  Der Weg dahin führt uns zunächst einige Kilometer zurück. Wir müssen die Landzunge, auf der Dakhla liegt, erst einmal wieder verlassen. Nachdem dann also Kamele oder Kamelwarnschilder fotografiert wurden, nähern wir uns Mauretanien. Auch da wird es natürlich wieder Kamele geben. Abwarten, ob wir mutiger werden bei den Fotosessions. Tun die was? Beißen die? Kommen die angerannt oder sutzt gar der Besitzer hinter einem Gebüsch? Mit etwas Mumm ist überall Streichelgehege. Mal sehen, wie nah wir uns noch herantrauen.

 


Da werden wir dann also alle gemeinsam ausreisen. Mit viel Herzklopfen ob der Wüstenabenteuer, die da auf uns warten. Alle zusammen. All die Verrückten in ihren bunten Kisten, von denen jeder einzelne vor mittlerweile langer Zeit liebevoll für die nun vor uns liegenden Etappen getüftelt und vorbereitet hat. Für das große Ziel der Wüstenquerung. 

 

Und wenn die Aufregung gar so groß wird, stellen wir uns morgen früh sogar nochmal am noblen Hotel an. Nicht des Pools wegen. Sondern weil da ordentliche Sanitäreinrichtungen  sind. GIbt es ja auch nicht im Sand.  Ihr seht: Es gibt neben Unterfahrschutzblechen und Proviant noch viel mehr zu bedenken oder vorzubereiten. Und wen die Packangst packt, also ob er doch noch eine Flasche Wasser mehr einpacken sollte, der kann sich das bis zur letzten Raststätte der Etappe noch einmal überlegen. 

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 11

Kommentar von Schreibär // 20.02.2013

Hier geht gleich Strom weg aufm Camping. Is hier so. Ab Mitternacht. Alles dunkel. Steckdosen aus. und ich will mit vollen Laptopakku in den Sandkasten. Darum hier. Ölbrenner gehts gut. Frage eben erst gelesen in den Kommentaren gestern. Ja und sonst: Wir berichten also hoffentlich auch mitten aus der Wüste weiter. Bilder werden allerdings dann weniger sein. Und Verzeihung für die Tippfehler. Zwischen Umnachtung zu später Stunde und schneller Erledigung zwischen der Rollerei .... Grüße aus Dakhla!

Kommentar von Eddy Kühn // 20.02.2013

Wieder mal ein 1.Klasse Bericht! Er liest sich wie ein Roman aus dem Orient.Danke dafür sagt Eddy aus dem kalten Königswinter!

Kommentar von Team 400 /Team 387 // 20.02.2013

Die Berichterstattung ist super, danke dafür,
jetzt geht es in den Sand, erst da werden die Boliden einer echten Prüfung unterzogen, aber Ihr schafft das schon,
bei all den Gedanken packt uns auch das Reisefieber,
wir wünschen Euch eine gute Wüstendruchquerung

Grüsse aus dem eingeschneiten Hohnstein
Ingo & Thomas

Kommentar von Helga Lehnhardt // 20.02.2013

Hier ist Helschi und grüßt Falk, hoffe das inzwischen Holger`s Auto wieder fit ist und wieder rollt. Dem Schreiber ein Kompliment, man ist immer dabei,Miezekatzen geht es gut, richtet es dem 'Falk aus, Danke Helschi (Mutti)

Kommentar von Frank Schönthier // 20.02.2013

Hallo Team Kreische; ich freu mich für Euch, daß euer Wagen wieder fit ist.Weiterhin viel Erfolg !!!Gruß Frank

Kommentar von erblaßtvorneid90 // 20.02.2013

wer braucht schon 40 Grad, wenn man ganz dicke Schneeflocken haben kann :D Kommt alle gesund wieder und viel Erfolg noch!

Kommentar von ingrid // 20.02.2013

Viele liebe grüße an den Polarexpress von Wolly und Hanna.Wir wünschen euch nur das allerbeste für eure noch anstehenden Abenteuer.kommt gesund zurück.Ingrid,Pele,Simon,Stephan

Kommentar von E. & D. Schöne // 20.02.2013

Allen Aktiven erstmal eine gute Weiterfahrt und ankommen in Banjul.Was ist mit dem Blaubärtrio? Fahren die immer eigene Wege ? Da war doch etwas mit der Lichtmaschiene?Grüße von E.&D. aus Bad Füssing

Kommentar von Pia Schmittnägel // 20.02.2013

Hallo Pia und Holger,
danke Pia für dein Lebens-zeichen un die gute Stimmung bei euch.
Viel Fahrspaß und unvergess-liche Erlebnisse wünscht Papa.
PS. Große Anerkennung für die Helferteams und die mit-erlebbare Berichterstattung.
H.S.

Kommentar von Jeremy Kurt // 20.02.2013

Wünschen allen eine Gute Fahrt durch die Wüste und ganz liebe Grüße an das Team "Erfordia" !!!

Kommentar von Zufelde // 21.02.2013

U und G Zufelde aus Potsdam grüßen das Blaubeerenteam und wünschen weiterhin gute Fahrt und wenig Sand im Getriebe!

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