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Rallyetagebuch - Tag 13: Etappe 10 Dakhla - Versteckte Düne

Das waren sie: Die letzten Kilometer unter individuellem Kommando. Die sind wir zeitig abgerollt. Um uns nach knapp 300 Kilometern an einer der letzten Tankstellen vor der Grenze zu treffen. Spätestens da musste alles festgezurrt und die Proviantkartons und Reservekanister ordentlich gefüllt sein. In Kolonne fuhren wir an die Grenze heran. Das große Wartespiel begann ab 15 Uhr.


 
Unter praller Sonne harrten wir der Dinge. Formalitäten wurden von den Orgs gelenkt, so dass uns Müßiggang und Zeitvertrieb blieben. Sollte man den Gaskocher auspacken? Oder geht es gleich weiter? Marrokanische Ausreise war gegen 17 Uhr erledigt.  Org Holli gab die Pässe am Schalter der Grenzer höchstpersönlich aus. "Einmal Schoko, einmal Vanille und n Hamburger.", lag uns auf er Zunge. Aber nur in Worten. Pässe zu haben, das ist ja auch was feines. So war die Ausreise dann also gemeistert. Es folgte die erste Härteprüfung für die Bleche aus Dakhla. Hält der Unterfahrschutz, was er verspricht? Das galt es im Niemandsland herauszufinden. Das gehört tatsächlich niemandem. Und muss durchquert werden. So mancher buckliger und staubiger Kilometer wurde erkraxelt. Asphalt ist da Fehglanzeige. Wer sollte sich im Niemandsland auch dafür verantwortlich fühlen. Eben: Niemand. Und so ächzte hier ein Wagen, kratzte da ein Kiesel am Untendrunter. Wer an der wirklich allerallerletzten Tankstelle vor der Grenze den Kilometerzähler auf Null gedrückt hatte, der konnte schon eine stattliche 4 ablesen. Soviel war geschafft. Nach etwas Aktion dann aber gleich weiter mit der nächsten Autoschlange. Der nächsten Warterei. Einreise Mauretanien. Die Sonne brannte. Der Magen knurrte. Wir gehen eben an alle Grenzen. Und berichten auch von welchen. Wir wollten schon mit letzten marokkanischen Mobilfunkfunken einen aktuellen Lagebericht senden. Soviel Zeit war da. Aber man weiß eben nie, wann das Kommando zum Weiterrollen kommt. Dann heißt es flugs den Zündschlüssel gedreht. Am Ende wird man noch ins Niemandsland zurückgeschoben, wenn man nicht Folge leistet. Und wenn schon ein Go käme, dann ist das Gold wert. Dann mal ganz schnell weiter. Ging es aber eben nicht. Ganz nebenbei entdeckten wir die Kameltreiber hinter einem Bus. Da hatte sie ein Grenzer hinbefohlen. In schönen weichen Sand. Aber das war eine ganz unpraktische Warteposition. Ohne groß darauf hinzuweisen, hatte sich das Team schön festgebuddelt. Still und fast unbemerkt. Aber eben nur fast. Fotos waren da nicht so gern gesehen. Wir haben trotzdem eins gemacht. Die Sonne versank. Der Wind wehte kühl. Unser Etappenziel - eine große Düne - an der wir unser Nachtlager errichten wollten, war nah. Und doch so fern! So vertreiben wir uns die Zeit also noch mit Verschleißberichten. Bei Arrakis ist es Sense mit weiteren Reifen. 3 wurden schon verschlissen auf den bisherigen Etappen. Neben Kühler und Stoßdämpfer. Fährt also ganz auf Material. Ölbrenner geht es gut. Wie geschrieben. Fuhr übrigens mit Bäcker Peter während der vergangenen Tage. Alle wohlauf. Und mittendrin in der Karawane, die einen beeindruckenden Anblick bot. Da ja nun keiner entfleuchen wird während der nächsten Tage, werden wir hoffentlich wirklich auch mal die vielen stillen, manchmal gar unscheinbaren Teams in den Fokus rücken. So erfreulich es war und ist, dass die einfach und eben vor allem problemlos ihre Kilometer abgespult haben, so sehr wissen wir natürlich auch, dass Ihr auf Eure Lieben, Eure Freunde und eigenen Rennfahreridole lauert. :) 

Schöner Nebeneffekt bei Bildern während der bevorstehenden Wüstenetappen: Die, die dann in den Mittelpunkt rücken, werden sich vor allem mit Einsandungen hervorgetan haben. Haben wir also alle viel Erfreuliches davon. Der Tag der großen Grenzenquerung war jedenfalls recht anstrengend. Die viele Warterei und die unterbeschäftigten Gaspedale - das waren wir gar nicht gewohnt. Wir brennen voller Ungeduld auf den großen Spaß im Sand. Und damit auch das sicher vonstatten geht, werden wir wieder einheimische Wüstenguides an unserer Seite wissen, die uns im Niemandsland empfangen hatten.



Ihr fragt Euch, wo der Faden der Geschichte hin ist? Ob wir eigentlich auch mal irgendwann in Mauretanien einreisen durften? Ja!!!! Nach gefühlter Ewigkeit setzte sich die Kolonne eiligst in Bewegung. Aus schon genannten Gründen ist Trödelei bei obenstehender Schranke ganz verkehrt. Zusammen mit den Wüstenguides, die morgen auf die Fahrzeuge verteilt werden, um uns zu lotsen und zu leiten, steuerte die eeeewig lange Kolonne ein Camp abseits der Straße an. Im tiefen Sand. (Und es geht noch tiefer. Das aber erst morgen.) Mal nebenbei: Eine Journalistin fragte mal, was das für eine Versteckte Düne sei. Die stünde ja so auf keiner Karte. Ja, eben. Haben wir so getauft. Und wenn sie einen amtlichen Namen hätte, dann wär sie ja kein Versteck, um unsere Kolonne abzuparken. Die heißt also bei uns und in unserem Roadbook Versteckte Düne, weil sie versteckt ist. Weil keiner wissen soll, wo sie steckt, sonst steht ja auch ruckzuck alles voller Hymer. Im Prinzip könnte dieser monumentale Dünenkoloss auch Mount Bmmbamm heißen oder  Sandkorngebirge. Und jetzt kommts noch verrückter. Das is schon mindestens der zweite Platz, den wir so im Laufe der Challenge-Jahre so nennen. Das sind Orte, an denen keiner mehr um Gaskocher und Schlafsack herumkommt. Jetzt sind wir wirklich outdoor und zeitweilig offroad. (Morgen geht es noch einmal gaaanz kurz auf Asphalt, um eienen geeigneten Einstieg in die Sandpassage zu finden. ) Campen jetzt in einem Kessel. Tiefer als die Straße. Und daher nicht einzusehen. Umgeben von hohen Sandbergen. Und dann ballert jemand aus unserer Mitte vor lauter Freude an der Sache Pyrotechnik ab und verrät unser schönes Versteck. Na, prima. Soviel auch zum Thema Sicherheit in Afrika. Gern angefragtes Thema bei den Infoveranstaltungen. Unauffällig kommen wir so wohl nicht durch.  Sanitärfragen hatten wir auch schon erwähnt. Klingt alles komisch. Ist aber immer wieder von Interesse bei künftigen Rallyestartern. Also hier ist kein Bad, kein Luxus. Und Wasser kommt nur aus Flaschen und Kanistern.  So ist das im Nirgendwo. Oder sonstwo. Na, wo immer wie auch sind. Orgs und Guides haben einen Plan. Die allgemeine geographische Eingrenzung und Verortung der Versteckten Düne lässt viel Spielraum. Gelegentlichen Handyempfang von marrokanischen Netzen gibt es ganz oben auf dem gigantischen Sandhaufen. Ganz in der Ferne ziehen die Lichter eines LKW vorüber. Gut - und ein Zug fährt manchmal hier in noch weitere Entfernung. War mal der längste. Erz fährt er. An die Küste. Wer da mit auf die Reise möchte, macht einen mutigen Satz; an geeigneten Stellen fährt dieser kilometerlange Wurm deswegen tatsächlich langsamer und dann machen die bis zu vier Lokomotiven wieder ordentlich Dampf. (Etwa so wie Der Dicke und der Belgier). Während der Eisenbahn der Sand von den Schienen gefegt wird, suchen wir extra das tiefe Offradvergnügen. 

 


Und zu diesem Zwecke melden wr uns ab. Auf in die Einsamkeit. Wir brauchen kein Geld, kein Handy, kein Internet. Geht ja alles nicht. Außer im Rallyetagebuch. So ist es geplant. Inschallah. Wenn alles klappt, lesen wir uns also auch während der kommenden Tage hier an dieser Stelle! Passt auf Euch auf im Schnee! Um uns ist uns nicht Bange. Mit den Dünen werden wir doch fertig, oder? Hoffen wir. Ganz bestimmt sogar. 14 Staffeln zuvor haben es schließlich auch gepackt. Also dann: Es muss rollen. Morgen berichten wir dann mal von ersten Sandfahrstunden, Luftablassgründen und mehr. 

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 9

Kommentar von Helga Lehnhardt // 21.02.2013

Gute Fahrt und das alle Auto`s durch den Sand kommen ohne grösseren Schaden.
Es Grüsst Helschi

Kommentar von Heike & Micha // 21.02.2013

Immer wieder geil zu lesen Eure Berichte, wünschen Euch allen VIEL SPASS IM SAND

Die besten Wünsche H & M

Kommentar von Team Anulu // 21.02.2013

Hy! euch allen eine gute Fahrt und spassige kommende 4 Tage! das es euren Mitstreitern nicht genauso ergehen muss wie unsere damals! liebe gruesse hierzu ans Team Wüstenblitz, Swat Team, Amstart Racing,Desert Syncro und den Trashboys!!!!
es gruesst das gesamte Anulu Team

Kommentar von SEMMELBANDE // 21.02.2013

Viel Spass

Kommentar von Bernd Schmalacker // 21.02.2013

Klasse Berichterstattung, bin eidendlich keine Leseratte aber euere Rallye im Tagebuch zu folgen macht Spaß.!
Viele Grüße ans Team ThoThoMi und euch allen GUTE WEITERFAHRT.

Kommentar von Team 400 Die Hohnsteiner // 21.02.2013

Hallo Ihr Sandwusler, die Wüstenfahrt ist einfach nur geil,leider haben wir ja damals etwas zu sehr aufgesessen und uns den Kühler demoliert, aber auch das gehört dazu,durch die grosse Teamarbeit und der Wille sich gegenseitig immer zu helfen,macht Spass und hat uns auch verholfen trotz Schaden ans Ziel zu kommen, Ihr schafft das allemal, viel Glück,
wir freuen uns auf Eure Berichterstattung, da liest
man µkit großer Spannung.

Aller Gute für Eure große Mannschaft

Thomas& Werner vom Team 387
Ingo@ Uwe vom Team 400

Kommentar von Inas // 21.02.2013

Die Eltern von Jan De Volder grüßen Ihn lieb und seine Freundin ist in gedanken bei ihn...würde mich freuen wenn das weiter gesagt wird.

weiterhin viel spaß!

Kommentar von peg _ // 21.02.2013

VIIIEEEL SPASS allen Rallyehelden im Wüstensand! Wir haben derzeit in Deutschland noch (nicht ganz so viel) Spaß im Schnee! Eine möglichst Pannenfreie Weiterfahrt und immer eine Handbreit Sand und den (fast platten) Rädern!
Viele Grüße an alle Dresdner (einschl. Radebeul), Berliner und Magdeburger (ihr wisst schon wer gemeint ist) von PEG!!!!

Kommentar von Irena // 26.02.2013

Hallo Dani, ich hoffe, deine Verbrennungen heilen wieder schnell und deine Wimpern wachsen nach! Lass auch Jan an den Lenker und pass auf dich auf! Wir wünschen euch noch viel Spaß. Liebe Grüße Mutti und Papa

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