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RALLYETAGEBUCH - TAG 19: ETAPPE 15 Nouakchott - St. Louis

Fenster zu. Wegen des Staubs. Und Fenster auf. Wegen der Hitze. So ein Zwiespalt heute auf der Hitzeschlacht

der Rallyestrecken, auf der Saunatour der Etappen. Auf der Fahrt von Nouakchott in den Senegal kommt immer

alles zusammen: Diesel. Dust. Und sengende Hitze. Da werden 350 Tageskilometer schnell endlos. Denn die waren

mitnichten nur auf Asphalt zu absolvieren. Und der Kopf macht sowieso was er will. Kriegt immer neuen

Impressionen, Bilderfluten. Und hat dabei die letzten noch gar nich richtig verarbeitet. Eben noch

Kilometerabreißen in Europa, dann schnell zum Wüstenprofi werden auf dem anderen Kontinent. Und auf einmal

gehts aus der Einsamkeit durch Städte und Dörfer voller Trubel, voller Menschen, voller Ziegen, Hunde und

Kamele. Ach, und Autos. Alle treiben scheinbar ziellos durch ein großes Ganzes. Und dann kommen wir kleine

Rallyefahrer in diesen neuen Kosmos. Haben die Straßenverkehrsordnung sowieso längst vergessen. Und wollen

mitspielen. Dazu schlängelten wir uns aus Maretaniens Metropole, dem großen Sammelbecken vieler Nationen und

geschäftiger Eiliger und Handlungsreisender hinaus. In, aber auch nach Nouakchott kamen wir in den Genuss

feinsten Asphalts, der nur hier und da mal zerfressen war. Die Stunden zwischen Start am Morgen und Rast gegen

Mittag verflogen, die Temperaturen zogen an. Und der Schweiß lief. Und um sich an den Senegal heranzurobben,

kam sogleich zum Kilometerfressen auch noch das von - pardon: Staub. Ohne weitere Rast oder Vorwarnung bog die

Kolonne auf Offroadpfade ab. Motoren dröhnten durchs Grün, das jetzt wieder zahlreicher unsere Wege säumt. Team

Scharf heißt übrigens nicht nur so, sondern auch klingt auch entsprechend und röhrt dabei in einer eigenen

Liga. Das dürfte unser Kommen schon an der Grenze signalisiert haben. Oder gar in Banjul. Der Vollständigkeit

wegen auch gleich die Notiz, dass zum guten Klang noch andere Dinge für Aufsehen sorgen. Ein Riß in der Ölwanne

nämlich. Die Auswirkungen halten sich in Grenzen. Das Ganze soll am Ruhetag in St. Louis geklebt werden.



St. Louis - ja, dort wollten wir ja erst einmal noch hin. Unser Etappenziel des Tages. Da fanden wir uns also

wieder auf staubigen Pisten. Umsäumt von rotem Sand. Fein zu Dünen drappiert. Und die Piste glich mehr und mehr

einer Achterbahn. Wenn man in einer Senke verschwand, war vom Rest der Rallye vorn und hinten nichts mehr zu

sehen. Und auch wegen großer Staubfahnen. Abstand war angesagt. Und so wühlte an sich sogar bergauf durch

tiefe, weiche Sandfelder. Irgendein Tunichtgut hatte die Strecke gar garstig präpariert. Mutter Natur. Oder

jemand mit einem Schaufelbagger, der der Challenge einen besonderen Nervenkitzel spendieren wollte. Furchen,

Gräben, Spurrillen gesellten sich zum Untergrund, den wir zu bezwingen hatten. Gelegentlich sogar Gegenverkehr.

Ist ja alles offizielle Strecke und nicht nur Offradspielplatz für Rallyestaffel 15. Für Ralphs Werkstatt war

die Hüpferei zuviel. Ein erneutes Aufbrechen des alten Achs-Leidens forderte eine kleine Rast. Das Problem war

ja aber schon eingegrenzt, bevor die Jungs überhaupt aus dem Wagen kletterten. Sollte alles keine große Sache

werden. Fachmann Ralph weiß ohnehin ganz allein, was zu tun ist, um Abhilfe zu schaffen. Dann aber überraschte

einer der Dauerläufer, die so angenehm bis teils gar unspektakulär rollen: Team 452 - den dicken Geländewagen

mit der Solar-Anlage auf dem Dach habt ihr vielleicht auf einem der bisherigen Fotos mal erspäht - das sind

"ToToMi and the Monster". Wagen aus. Und blieb aus. Da rührte sich nichts. Die Benzinpumpe wurde als Problem

erkannt. Auch der Service-PKW vom Schraubär genierte sich ein wenig. Alles in allem führte das zu einer langen

Mittagspause im Schatten einiger weniger großer Bäume und vieler stachliger Buschgewächse. Da wurden auch die

Gaskocher im Sand aufgebaut. Und so lauschten etwa die Dune-Turtles den Geschichten der anderen. Da berichteten

"Der Dicke und der Belgier", dass Ihr Dampfschiff ja als Pflicht die Ankunft im marokkanischen Tanger auferlegt

bekam. Alles andere wäre seitdem Kür. Angesichts der Tatsache, dass wir die Herren zum Starten der Maschine

auch schon mal anschieben / oder einfach mit einem anderen Auto hinten sanft andocken ... - nun ja, also die

sollen das jetzt mal nicht so laut in Gegenwart des Boliden sagen. Sonst glaubt der das noch. Und eine Etappe

haben wir ja noch vor uns. Und bevor wir überhaupt an den großen Ziueleinlauf denken, musste ja auch erst

einmal die Fahrt nach St. Louis geschafft werden. Dazu hätten wir aber rollen müssen. Wir pausierten aber. ODer

schlenderten mit afrikanischer Gelassenheit und immer frisch nachgecremt durch die Mittagsglut. Man wanderte

mal hierhin. Schaute sich Sonnenschutztechniken der anderen an von Sonnensegeln, Planen bis zu Handtüchern an

Scheiben und Tüchern. Ging von Baum zu Baum, schwatze mal hier, mal dort. Da wir in Zweierreihe erst die ganze

Trasse blockierten, waren einige Fahrzeuge schon die nächste Anhöhe hinaufgerollt. Der Gang ins Tal wurde bei

den Temperaturen schon zur Aufgabe. Und erst der Gang zurück. Bewegung schaffte da erst ein herantrabendes

Wappentier der CHallenge, dass durch die Szenerie stolzierte. Auch mal hier oder da schauend. Aber auf der

Suche nach leckerem Baumgrün. Und dabei geduldig posierte.

Da für Servicefahrzeug und 452 die Option Schlepp anstand (Ralphs Werkstatt war natürlich längst fertig mit dem

Boxenstopp und hatte den Klappstuhl ausgepackt.), wurde beraten, wie das auf der Berg- und Talpiste am besten

zu bewerkstelligen sei. Unser BLick fiel auf eine nahe Trasse. Da wird seit Jahren an einer Straße gebaut.

Asphalt gibt es noch nicht. Aber schön eben ist die. Gerüchten zufolge sollen aber die diversen Teilstücke von

großen Gräben unterbrochen sein. Unser MOtorradfahrer Marco ging mit Org Falk auf Streckenerkundung. Und sie

kamen wieder. Mit Gendarmerie. Um es kurz zu machen: Mauretanien ist großartig! Während wir noch drüber

grübelten, was man wohl bei uns zuhause sagen würde, wenn eine Horde über eine Strecke ballert, auf der noch

kein Staatsmann ein Band durchschnippelt hat, bekamen wir die Erlaubnis, die neue Strecke auszutesten, um zum

Damm zu gelangen. Vorbei an Baufahrzeugen. Und ganz ohne befürchtete Gräben. Im Vergleich zu den vorherigen

Kilometern geradezu ebene Strecke, gefahren mit Vollgas, 5ter Gang. So schnell waren wir noch nie am Damm.


Ja, der Damm. Eine weitere Spaßstrecke. Die obligatorische Rallyerüttelstrecke  haben wir uns schon noch

gegönnt. Irgendwann endete unsere Teststrecke nämlich. Durch Dörfer und viel Grün gelangten wir auf die diese

nächste Härteprüfung. Und dabei wirkte der Damm breiter als sonst. Gar flacher. Weniger fiese Furchen, die

schon ganze Reifen oder Stoßfänger verschluckten. Dafür aber eben Waschbrett allererster Güte. Huckelbuckel am

laufenden Band. Vor denen einzeln über Funk zu warnen, war schon wegen des Geräuschpegels müßig. Lautsprecher

flogen ab. Das Gepäck wurde neu gewürfelt und mit weiterer Staubschicht gepudert. Was Waschbretter als

Untergrund nun sind? Vom Wind gefräste Querrillen, wie von riesigen wirr fahrenden Kettenfahrzeugen in den

Boden gepresst. Oder anderen Kräften. Naturgewalten während der letzten Regenzeit. Abfließendes Wasser,

Fuhrwerke und sonstwer formen Stuktur in den Schlamm. Und das steinharte Ergebnis schüttelte uns durch, dass

man glaubte, die Stoßdämpfer tanzen Samba und die Reifen ziehen sich selbst von der Felge. Und hin und wieder

schwänzelt wild das Autobürzel. Denn wenn man im hohen Tempo angeflogen kommt, hat man es zwar schneller hinter

sich, hier und da auch mal weniger Rumpelei, aber das Steuern wird nicht einfacher. Und wenn wir das schon so

ausführlich würdigen, dann aus einem zusätzlichen bestimmten Grund. Da wurde also alles und jeder

durchgeschüttelt. Und da stehen wir dann irgendwann an der Grenze. Haben den Senegal in Sichtweite. Und hören

plötzlich das Monster von 452 blubbern. Aus eigener Kraft. Was immer da die Benzinpumpe blockiert hat, wurde

weggeschüttelt. Echte afrikanische Spontanheilung. Und nach diesem Motorvoodoo wurde das Schleppseil schnell

abgenommen. Team 452 und alle anderen erreichten gesund und munter nach weiter Kolonnenfahrt - diesmal wieder

über Asphalt - St. Louis im Senegal. Die lange Brücke vom Turm-Gustav - ja tatsächlich vom Eiffel - leuchte

zwar nicht mehr im Sonnenuntergang. Aber auch das künstliche Licht zauberte eine großartige Stimmung. mit

Warnblinker, um uns im Dunkel auf einen BLick zu finden, wurden wir durchs Gewühl gelotst. Wir haben ja jetzt

eine Zolleskorte, die uns flankiert. Die Fischerboote, die wir dann passierten und viele, viele Menschen,

huschten nur als Schatten im Mondlicht vorüber. Das werden wir am Ruhetag aber sowieso alles genauer

begutachten. Als letzte große Tagesaufgabe galt es, auf den Campingplatz zu gelangen. Ein wirklich weitläufiges

Gelände. Team ölbrenner bei erster Begutachtung "Das ist ja nicht so prickelnd!" Ja, was denn dann? Wenn man

sich nur den Parkplatz anguckt, kann man sich ja noch kein Urteil erlauben. Da dachte wohl jemand, das währe

schon alles. Also auch hier gilt es noch einiges zu inspizieren. Frisches, eiskaltes Gazelle-Bier von der Bar.

Oder den Pool. Oder das Meer. Duschen gegen Etappenstaub. Das Restaurant. Die echten Campingmöglichkeiten im

schneeweißen Sand oder unter schattigen Bäumen. Also das wird noch so richtig prickelnd. Das gibt Power für den

Schlusspurt nach Banjul. Wir freuen uns auf St. Louis und unseren Ruhetag.



Außerdem liefern wir noch weitere Bilder der vergangenen Tage nach. Sortieren wir hier hintendran, damit sie

nicht übersehen werden. Da hätten wir Ralphs Werkstatt bei spektakulärer Strandauffahrt, den Polarexpress beim

Fotoshooting vor den Wellen und Nouakchott, u.a. von Team Erfordia abgelichtet. Waren natürlich viele

Rallyefahrer dort unterwegs. So kaufte Team Kreische etwa wunderbares Kunsthandwerk und übte sich dabei im

Feilschen. Apropos Polarexpreß. Da gab es ja einen doppelten Anklatscher in Marokko beim Ausparkversuch eines

einheimischen Fahrers. Also der Schaden wurde nicht reguliert. Dafür fährt der rote Flitzer nach wie vor ganz

prächtig. Und die Türen funktionieren auch. Klappt also ... und schiebt.

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 5

Kommentar von Heike+Lothar // 27.02.2013

also nicht gerührt sondern geschüttelt im Senegal gelandet - haben die mitgenommenen Gläser schon ihre Aufgabe erfüllt? na denn gute Weiterfahrt, vielleicht hilft's in der Sonne an den thüringischen Eisregen zu denken - gebt noch mal ordentlich Gas denn fahrt Ihr quer, seht Ihr mehr

Kommentar von Janin // 27.02.2013

Halloooooo Polarexpress!
Ihr macht Euch auf dem Foto sehr gut. Habt Ihr den alten Bus wieder gesehen?
Liebe Grüße aus der Heimat!
Janin

Kommentar von Günther // 27.02.2013

An dieser Stelle mal ein fettes Kompliment an den Schreibbären! Wir sind bestens informiert Micha und haben oft herzlich gelacht!

Kommentar von Schreib(b)aer // 27.02.2013

Zum Polarexpress: Ja, den Bus haben die beiden gefunden! Muss ich wohl nochmal nach Fotobeweis fragen. GEsehen habe ich den schon. War aber nicht mehr viel übrig von der Karosse. Viele Grüße!

Kommentar von Jeremy Kurt // 27.02.2013

Viele Grüße an das Team Erfordia aus dem kalten Erfurt.
Wünschen Euch und den Rest noch weiderhin eine gute Fahrt und habt Spass.

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