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Gambia: Projekte

Nachdem wir den ersten Teil der Reise überstanden haben und unsere Fahrzeuge versteigert wurden bekamen wir nun Gelegenheit die Projekte zu besichtigen für die die ersteigerten Gelder genutzt werden.

 

So waren wir zum Beispiel in Gunjur. Das „Kundembo“-Projekt ist eine Healthpost (Krankenstation) und ein Aufklärungscenter.

Sulayman Sambou „Sol“, dem Leiter des Projekts, liegen vor allem die Aufklärung Jugendlicher und Erwachsener über Sexualität, Gesundheit, Hygiene, Verhütung (Schwangerschaft, Krankheiten), Pupertät, Impfungen und Beschneidung sehr am Herzen. Über diese für Gambier beschämenden Themen wird in den Schulen oder auch zu Hause kaum oder gar nicht gesprochen. Das Interesse an diesem Thema ist jedoch sehr groß, so das schon der erste Kurs ein voller Erfolg war.

 

 


Sol geht in Dörfer und Schulen um für sein Projekt zu werben und in seine Kurse einzuladen. Da er selber Gambier ist und sich mit den Traditionen auskennt wird er ernst genommen und kann sein Wissen weiter vermitteln.

 

Manchmal veranstaltet er auch Fußballspiele da dieses Medium viele Menschen zusammenbringt. Im Anschluss nutzt er die Gunst der Stunde für seine Aufklärungsarbeit.

 

Seit einigen Jahren gibt es hier auch eine Näherei, in der Frauen den Umgang mit den (für uns antiquarisch anmutenden) Nähmaschinen lernen.

Sie stellen zum Beispiel bunte Taschen her, die reisend Absatz fanden bei den Rallyeteilnehmern.

 

Ursprünglich plante Sol eigentlich nur ein Aufklärungs- und Skillcenter. Dann kamen viele Bewohner der umliegenden Dörfer in der Annahme es handle sich um eine Krankenstation.

So entstand der Plan eine solche zu integrieren.

 

In der Regenzeit kommen teilweise bis zu 200 Patienten täglich. Die Behandlung kostet 25 Dalasi - für viele schon ein Vermögen. Aber zum Unterschied staatlicher Krankenhäuser gibt es die benötigten Medikamente gratis.

 

Anschließend waren wir in der „Kobisala“-Schule in Sanyang.

Angefangen hat alles 2009. Die Nursery School - eine nicht vom Staat unterstützte Vorschule (oder auch Kindergarten)- bestand aus nur einem Raum für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren.

 

Inzwischen geht die Schule bis zur 8.Klasse und es gibt wesentlich mehr Räume.

Das neue Schulgebäude wird heute in unserem Beisein feierlich eröffnet.

 

Auch und vor allem mit Hilfe eines kleinen Dorfes in der Pfalz (Niederhorbach) konnte dieser Neubau entstehen. Team „Südliche Weinstraße“ der Rallye März 2018 hatte das gesammelte Geld im Gepäck.

 

Um in der Kobisala-Schule höhere Klassen unterichten zu können drückte Buba Bojang (Leiter der Nursery-School), neben seiner Arbeit an einer staatlichen Schule, sogar selber nochmal die Schulbank.

 

In Gambia besteht zwar eine Schulpflicht, aber die Vorschulen (Nurseryschool), in denen die Kinder u.a. Englisch lernen, werden vom Staat nicht finanziert. Die englische Sprache ist jedoch Grundvoraussetzung um in den regulären Schulen dem Unterrichtsstoff überhaupt folgen zu können. Zu Hause wird meist Mandinka gesprochen, so das die meisten Kinder sich nicht auf englisch verständigen können.

 

Eine weitere Schule, die von der Rallye unterstützt wird ist die Interior Akademy (nach ihrem Maskottchen, einem Krokodil, „Charlie“ genannt).

 

Sie wurde ursprünglich als Nursery School für die Kinder der Exekutive (Policei etc.) eröffnet. Aber inzwischen werden auch hier Schüler der Primary unterrichtet. Und die Schule ist selbstverständlich für alle Kinder offen. Die Kinder der Exekutive bezahlen ein geringeres Schulgeld.

 

Das besondere an dieser Schule ist die Integration behinderter Kinder. Ziel ist es den Kindern den respektvollen Umgang miteinander beizubringen und das sie sich gegenseitig unterstützen.

 

In Gambia schämen sich viele Menschen für ihre behinderten Kinder und so werden diese oft nicht zur Schule geschickt. Daher ist die Schule für diese Kinder ein Segen. Sie bekommen das erste mal in ihrem Leben das Gefühl ernst genommen zu werden und nicht alleine zu sein.

 

Eine KFZ- Lehrwerkstatt und eine Schreinerei in denen Jugendliche einen Beruf erlernen können sind zwei weitere Projekte der DBO und damit auch der Rallye.

 

In der KFZ-Werkstatt sind derzeit zwischen sieben und acht Lehrlinge beschäftigt.

Nach der Ausbildung können sie sich selbstständig machen und werden dazu mit einem Grundstock an Werkzeugen ausgestattet.

Daher ist jegliches Werkzeug der Rallyeteilnehmer immer willkommen.

 

Auch in der Schreinerei konnten wir zahlreiche Lehrlinge bei ihrer Arbeit beobachten. Es wurde fleissig gesägt, gefeilt und geschliffen.


Andere Maßstäbe sollten wir Europäer jedoch bei den Arbeitsbedingungen ansetzen. Arbeitsschutz? Fehlanzeige.

 

Auch im DBO-Restaurant „Blue Kitchen“ werden Jugendliche ausgebildet. Als Kellner oder Köche können sie irgendwann ihren Lebensunterhalt (hoffentlich) bestreiten.

 

Außerdem wird hier die Armenspeisung vorbereitet - ein weiteres DBO-Projekt.

 

Das Restaurant trägt sich selber, zahlende Gäste sind also immer willkommen!

 

Das neueste Projekt, und eins worauf die DBO zu Recht sehr stolz ist, ist die Mülltrennung bzw. Kompostierung von organischem Müll.

 

Dieses Projekt ist in Westafrika derzeit das einzige dieser Art.

Wie viele afrikanische Länder hat auch Gambia ein Müllproblem. Nun erfolgt, bisher nur im Großraum Wellingara, eine Trennung von organischem und sonstigen Abfall mit einem ausgeklügelten Containersystem an ausgewählten Standorten.

 

In einer eigens eingerichteten Kompostieranlage bei Brikama wird organischer Müll in Biodünger umgewandelt. Der Biodünger hat kürzlich sogar eine deutsche Zertifizierung bekommen. Ziel ist es den Biodünger erfolgreich im eigenen Land zu vermarkten, denn gute Erde ist in Gambia rar.

 

In einem kleinen Mustergarten konnten wir uns vom Erfolg überzeugen. Und auch die dort arbeitenden Frauen waren von der „Bioerde“, nachdem sie erst skeptisch waren, begeistert.

 

Die Teilnehmer der 26.Rallye waren die ersten, die die Kompostieranlage besichtigen konnten.

 

Über diese und weitere Projekt kann sich auch auf der DBO-Internetseite informiert werden (mit weiterführenden Links zum Müllprojekt).

http://www.dbo-online.org/

 

Nicht zu vergessen natürlich die vielen kleinen privaten „Projekte“ vereinzelter Rallyeteams.

 

Nachdem wir uns mit eigenen Augen davon überzeugen konnten wie und wo die aus dem Verkauf unserer Rallyefahrzeuge erzielten Gelder verwendet werden, können wir mit Fug und Recht sagen: „Wir haben dazu beigetragen die Welt ein bisschen besser zu machen“.

 

Und hinsichtlich der derzeitigen Lage (und Stimmung) in Europa haben wir ein kleines bisschen geholfen Fluchtursachen zu bekämpfen.

 

Zum Schluss noch einen riesigen Dank an alle Rallyepiloten der 26. Rallye Dresden-Dakar-Banjul (Danke auch an alle ehemaligen Rallyeteilnehmer für die fleißige Anteilnahme und schon mal prophylaktisch an alle zukünftigen Rallyeteilnehmer).

 

Ohne Euch wäre diese Rallye nicht das was sie war, ist und hoffentlich weiter sein wird.

 

Danke auch an all die Helfer der Rallye Dresden-Dakar-Banjul. Unter anderen Saleck (Mauretanien), Mustafa (Senegal Grenze und Gambia), Aaron und Heinz (beide DBO).

 

Und zum Schluss - ich bin mal so frei - und sage im Namen aller Rallyeteilnehmer "Danke an Torsten, Holli und Falk".

 

Persönlich sage ich Danke an alle Rallyetagebuchleser. Bis zum nächsten mal.

 

Foto-Galerie

Video-Tagebuch



Kommentare: 4

Kommentar von Matze // 05.12.2018

Danke, Peggy! War einmal mehr eine klasse Berichterstattung. Da kribbelt es bei mir schon wieder unter den Füssen... :)

Kommentar von Chris601 // 05.12.2018

Danke Peggy, dass wir auch dieses mal wieder mitfahren durften. Tolle Arbeit!

Kommentar von Thomas Reichert // 05.12.2018

Super! Einen Großen Dank an die, die uns immer auf dem Laufenden gehalten haben. Die nächste Ebene wäre schön live dabei zu sein. Und das werden wir. Leider aus organisatorischen Gründen erst im März 2020, aber das mit Sicherheit.
Danke nochmals und allen eine schöne Rückreise. Kommt alle wieder gut heim.
Thomas und Ute

Kommentar von Team juffure // 05.12.2018

Ebenfalls ein Dankeschön und ein dickes Lob an Peggy für die tollen Fotos und Berichte

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